Aus Freude über die Seligsprechung Karol Wojtylas - Papst Johannes Paul II.von 1978 bis 2005 - stelle ich meinen autobiografischen Text aus 2007 noch einmal auf diese Homepage. Dabei übernimmt die Protagonistin Anna Faresti meinen Part. // Margret Wanfahrt, Hildesheim anlässlich des 1. Mai 2011 // E-Mail:MWanfahrt@t-online.de //www.wanfahrt-margret.de



Zufälle sind Spuren aus dem NebenSinnlichen (SANS)

Auf zwei Wallfahrten nach Rom, 1998 und 2004, hatte Anna Faresti bedauert, dass im Pilgerprogramm weder ein geeigneter Ort noch eine angemessene Zeit für eine persönliche Marienverehrung vorgesehen war. So hatte sie beschlossen, in Zukunft nur an Pilgerreisen teilzunehmen, wenn ein Mariewallfahrtsort das Reiseziel war.Diesen Vorsatz setzte sie jedoch aus, nachdem 2005 mit dem Tod des Papstes Johannes Paul II. schicksalhafte Veränderungen im Vatikan eingetreten waren, die sie innerlich sehr beteiligten und ihre Gedanken wieder in die Ewige Stadt zogen. So meldete sie sich erneut zu einer Rom-Reise an , als für den März 2007 eine Pilger-Gruppenfahrt dorthin angeboten wurde.

Anna F. dankt

Papst Johannes Paul II. für Die Fátima von Rom


Inhaltsübersicht

I Vatikanstadt, Samstag, 24.März 2007

1.Ankunft auf der Piazza San Pietro // Rückerinneung: Rom 2005:

2.Pilgerdank

3.Im Petersdom ohne Maria// Rückerinnerung: Hildesheim 2005:

4.Abends im Hotel// Rückerinnerung: Fátima 2005

5.Nachtgedanken

II Vatikanstadt, Sonntag, 25. März 2007

1. Kälte // 2 Der Sturz auf der Treppe

3.Heilige Faustyna // Rückerinnerung:Kevelaer 2006

4.Zwiespalt // 5.Wunscherfüllung

III Vatikanstadt, Samstag, 31.März 2007

1.Warten auf die Abreise : In memoriam

2. Karol Wojtyla.

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I Vatikanstadt, Samstag, 24.März 2007

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1.Ankunft auf der Piazza San Pietro

Es ist später Nachmittag, als die Gruppe in ihrem Hotel im Vatikan eintrifft. Eine Stunde Pause folgt, dann geht es zu Fuß und mit Tempo zum Petersplatz: Die Piazza und die Basilica di San Pietro sind ein vertrauter, heute jedoch für Anna bedrückender Anblick. Nie mehr wird sie dort rechts über den Colonnaden Papst Johannes Paul II. hinter einem der Fenster vermuten können. Nie mehr wird sie ihn mittwochs bei der Generalaudienz erleben. Schon seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Ihr Blick schweift von den Fenstern aus weiter nach links , sucht hinter dem Papstpalast an einem hohen Gebäude einen schmalen viereckigen Vorbau. Jetzt hat sie ihn entdeckt und auch das farbige Wandbild, das dort angebracht ist. Eine MutterGottes ist abgebildet, aus der Entfernung kaum zu erkennen. Als Anna es ansieht, ist sie im Herzen Roms angekommen.

Sie hat das Bild gesucht, als hinge ihr Schicksal davon ab, dass es sich noch dort befände ,auch jetzt, nach Johannes Pauls Tod. Inmitten dieses steinernen Umfelds wirkt das winzige, blasse Bild auf Anna wie der Lebensfunke, den sie heute dringend braucht.

Sie dankt Gott, dass sie überhaupt von dem Bild erfahren hat.

Rückerinnerung

Rom, Mittwoch, 8.März 2000

Anna denkt an jenen Aschermittwoch im Heiligen Jahr, als sie hier auf der Piazza am frühen Abend an einer Andacht teilnahm. Es war ihr Ankunftstag in Rom, nachdem sie zum ersten Mal allein hierher geflogen war. Die Dunkelheit hatte schon eingesetzt, aber nur wenige Lampen brannten. Die Fastenzeit begann, und viele Menschen hatten sich hier versammelt.

Während eines Gebets standen alle auf und drehten sich dabei überraschend nach rechts. Einigen italienischen Wörtern entnahm sie, dass wohl ein Mariengebet gesprochen wurde.

Nach der Andacht befragte sie ihre Sitznachbarin. Die zeigte auf das Wandbild, das an diesem Abend angestrahlt wurde. Trotz der Entfernung waren Maria und das Jesuskind gut zu erkennen. Ein unerwarteter Anblick., der wie ein Willkommen wirkte und Zuversicht gab für ihre Einzelreise.

2. Pilgerdank

Anna begibt sich wieder zu den Mitreisenden. Die Zeit bis zur Schließung des Petersdoms können sie frei nutzen. Die meisten wollen wie Anna in die Basilica, deren Haupteingang aus Sicherheitsgründen nicht frei zugänglich ist. Während die Gruppe nach rechts auf die Colonnaden zugeht, sucht Anna erneut das Wandbild dahinter. Johannes Paul ließ es nach seiner Wahl zum Papst dort anbringen. Es war sein Dank an Maria und gewiss eine große Freude für die Pilger.Nachdem Anna es erfahren hat, hätte sie ihm gern auch ihre eigene Freude darüber mitgeteilt.

Um sich an ihn zu wenden, muss sie nun nicht mehr die Hilfe eines Schweizer Gardisten in Anspruch nehmen, der auf ihrer ersten Pilgerreise nach Rom das Geschenkpäckchen für den Papst nach vorn zum Baldachin trug. Sie braucht auch nicht mehr das Internet, um Geburtstagsgrüße durchzugeben. Heute kann sie Johannes Paul in seiner neuen Lebenswelt mit ihren Gedanken unmittelbar erreichen.

3.Im Petersdom ohne Maria

Die Gruppe hat die Colonnaden erreicht. Mehrere Zuwege sind durch Absperrgitter vorgegeben, und es dauert lange, bis auch eine der Sicherheitsschleusen passiert und der Weg zum Haupteingang zurückgelegt ist. Anna hofft, in der Basilica noch Zeit zu haben für einen kurzen Aufenthalt in einer Seitenkapelle, in der sich ein großes Marien-Andachtsbild befindet.

Kaum ist sie durch das große Eingangsportal eingetreten, sieht sie schon von weitem an der Kapelle ein Zusatzschild. Ein schlechtes Zeichen. Sie geht weiter und ihre Befürchtung bestätigt sich, als sie Chiuso! liest. Hier ist geschlossen. Sie ist enttäuscht, sieht, wie einige Personen bereits hinausgebeten werden. Insgesamt scheint die Besuchszeit gleich beendet zu sein. Sie umrundet rasch den Innenraum, wirft einen Blick auf die gläsernen Sarkophage der aufgebahrten Päpste, hofft darauf, bald am Grab ihres verehrten Papstes zu stehen und verlässt wieder die Basilica.

Draußen ist es dunkel, der große Platz wenig beleuchtet. Der Petersdom hingegen wird angestrahlt, zeigt durch Licht und Schatten betont die markante Architektur. Diesen Anblick kennt Anna noch nicht. Damals am Aschermittwoch verschwand das Gebäude fast in der Dunkelheit. Es wurde wohl wegen der Passionszeit nicht angestrahlt.

Unten auf der Piazza warten am Obelisk die ersten Rückkehrer der Pilgergruppe; offenbar ist dies auch der Treffpunkt für weitere Hildesheimer Gruppen.

Anna lehnt sich gegen das Eisengeländer und wartet. Es wird noch eine Weile dauern, bis alle bereit sind, zum Hotel zurückzukehren.

Dort wird es kalt sein wie vorhin bei der Ankunft. Schon am Morgen auf der Hinfahrt zum Hamburger Flughafen hat sie in dem kalten Bus gefroren. Aber sie braucht unbedingt Wärme, um nach den Grippalinfekten der letzten Wochen gesund werden zu können. Die Reise hat sie trotz vieler Bedenken nicht absagen mögen; sie denkt an innere Hinweise, die sie in ihrem Entschluss bestärkten.

Anna sieht hinüber zum hellerleuchteten Petersdom. Er ist kein Symbol für ihre Stimmung. Es ist unabänderlich, dass Johannes Paul körperlich nicht mehr existiert.

Papa Giovanni Paolo II. è morto.

Anna ist unglücklich; ihr graut davor, weitere sieben Tage in diesem Zustand verbringen zu müssen. Während sie weiter in der Dunkelheit hier am Obelisk wartet, erinnert sie sich an den Tag, an dem sie Abschied nahm von Papst Johannes Paul II.

Rückerinnerung

Hildesheim, Donnerstag, 7.April 2005


Sie betritt den Hildesheimer Dom von der Altarseite her. Heute feiert sie ein unvergessenes persönlichen Ereignis. Vor sechs Jahren ist sie gefirmt worden, möchte jetzt eine Kerze anzünden und Maria für Unterstützung und Führung in jener Zeit danken.

Die Firmung fand zwar in der Kapelle des Generalvikariats statt; doch der Mariendom ist ein Zuhause seit der Zeit, als sie sich auf den neuen religiösen Weg begeben hat.

Sie freut sich auch auf den nächsten Tag, wenn sie an dem Ort sein wird, an dem Maria 1917 den drei Kindern erschienen ist. Sie wird sich einer Pilgergruppe anschließen, die nach Fátima startet, dem weltbekannten Erscheinungsort der MutterGottes in Portugal.

Beschwingt geht sie im Dom weiter, kommt an der Krypta vorbei, geht um die Ecke des Chorraums, erreicht den Bereich der Altarstufen, hält unvermittelt an.

Auf einer Staffelei steht ein Gemälde mit dem Porträt des Papstes, der vor fünf Tagen im Vatikan starb. Ein schwarzes Band ist um den Bildrahmen geschlungen, Blumen füllen die Altarstufen und wenige Stufen höher befindet sich ein Pult mir einem Kondolenzbuch

Ein Trauerplatz für Menschen, die von Johannes Paul II. Abschied nehmen wollen.

Seit Tagen denkt sie an die Todesnachricht, vor allem, weil die Beerdigung morgen stattfindet, wenn die Pilgerreise nach Fátima beginnt.. Den Gedanken daran hat sie heute wegen ihres Jubiläumstags verdrängt..Zögernd geht sie weiter, bleibt erneut stehen. Johannes Paul blickt zu ihr herüber. So nahe war er nie. Wie gern hätte sie ihm 1999 von der Konversion erzählt, ihn wissen lassen, dass sie sein 'ut unum sint' verstanden und umgesetzt hat.Sie hätte von der Hoffnung gesprochen, die gesamte protestantische Kirche würde wie sie selbst zurückkehren in die alte römische Mutterkirche.

Lieber Karol Wojtyla, verehrter Papst meiner Umkehrzeit, stiller Gefährte in der Liebe zu Maria: Gott schenke dir Frieden. Amen

Sie schlägt das Kreuz, steigt die Altarstufen hinauf und schreibt einige Zeilen in das Kondolenzbuch. Als sie vor der gotischen Statue der Tintenfass-Madonna zwei Kerzen anzündet, bittet sie Maria um Fürsprache bei Gott.

4.Abends im Hotel

Anna besinnt sich wieder auf die Gegenwart. Inzwischen hat sie sich den Gruppen angeschlossen, hat mit ihnen den Peterplatz verlassen, und sie befinden sich bereits auf der Via Aurelia. Ein beträchtlicher Fußweg wird noch zurückgelegt, dann ist das Hotel erreicht.

Im Speiseraum ist für das Abendessen gedeckt worden. Die Ordensschwestern, die das Hotel betreiben, sitzen an einem für sie reservierten Tisch. Die Gäste aus Deutschland verteilen sich auf die Plätze im übrigen Raum. Man lernt erste Namen der Mitreisenden kennen, Eindrücke werden ausgetauscht, und nachdem der neue Hildesheimer Bischof ein Tischgebet gesprochen hat, genießen alle die italienische Mahlzeit.

Nach dem Essen verlässt Anna bald den Raum, nimmt den Lift und gelangt schnell auf ihr Zimmer. Sie hofft für die Nacht auf Wärme und Schlaf.

Jedoch die Erinnerung an den Abschied von Johannes Paul in Hildesheim lässt sich nicht stoppen, hängt auch den Reisetag nach Fátima an ihre Gedanken.



Rückerinnerung

Fátima, Freitag, 8. April 2005


Während im Vatikan die Totenmesse für den Papst stattfand, flog die Gruppe von Hannover aus nach Lissabon. Eine gute Zeit, um hoch über den Wolken an das Requiem in Rom zu denken. Und auch an die Botschaften der MutterGottes in Fátima.

Vor allem die Buße der Menschen war Maria ein großes Anliegen. Sie forderte die Menschen auf, dem Beispiel des GottesSohnes zu folgen und Leid auf sich zu nehmen - als Buße zur Erlösung von eigenen Sünden und für die Sünden der Welt. Es war nicht einfach, zu verstehen, dass mit der Liebe zu Maria auch immer die Bußbotschaft verbunden ist.

In Lissabon am Flughafen trafen sich die verschiedenen Kleingruppen des Bistums Hildesheim und gemeinsam fuhren sie mit einem Reisebus weiter nach Fátima. Am Abend ging es einen kurzen Weg zu Fuß zur 'Cova da Iria', der Erscheinungsstätte der MutterGottes. Dort wollten sie in der Gnadenkapelle an dem täglichen Rosenkranzgebet und anschließend an der Lichterprozession auf dem Wallfahrtsplatz teilnehmen.

Die Kapelle war an drei Seiten geöffnet und bot Pilgern Raum bis weit nach draußen .Es war schwierig, sich durch die vielen Anwesenden hindurchzuzwängen. Sie selbst hatte das Glück, auf einer der zahlreichen Bänke noch eine Sitzlücke zu finden. Sie saß nahe an einer der Rampen, hinter der sich der Altarbereich und auch die ungewöhnliche Vitrine mit dem Gnadenbild befanden. Auf den Rampen um den Altar lagerten üppige Blumensträuße; ein kleines Blumenparadies war entstanden und Blütenduft verbreitete sich.

Es folgten die ersten ruhigen Minuten nach der Ankunft. Gedanken und Empfindungen wurden frei. Sie hatte angefangen, die Fátima - Madonna zu betrachten. Sie sah ein KunstWerk und spürte dennoch die lebendige Existenz der MutterGottes.

Sie dachte an die Seherkinder, denen Maria erschienen war. Hier an dieser Stelle hatten Lúcia, Jacinta und Francesco die MutterGottes gesehen. Jacinta und Lúcia haben sie auch gehört, und Lúcia hat sogar mit ihr gesprochen. Von ihnen überlebte Lúcia als Einzige die Kindheit. Sie trat dem Karmelitinnenorden bei, lernte später auch Papst Johannes Paul II. persönlich kennen. Sie ist ihm im Tod nur sieben Wochen vorausgegangen..

An jenem Trauerabend wie eines der Seherkinder vor Der Fátima eine Verbindung mit Maria aufnehmen zu dürfen, waren heilige Momente.

Immer neue Blumenbuketts wurden in die Kapelle gebracht. Es war unübersehbar, dass sie heute nicht allein Der Fátima galten. Neben der Vitrine mit der Statue stand ein mittelgroßes Porträtbild des Papstes.

Erst jetzt konnte sie sich Zeit nehmen, es anzusehen. Wie im Hildesheimer Dom bezeichnete ein schwarzes Band den traurigen Anlass. Wohl allen war bewusst, dass Johannes Paul II. an diesem Tag beerdigt wurde.

Der Papst hat sich in besonderer Weise Der Fátima verbunden gefühlt. Er war überzeugt , durch ihren Beistand das Attentat vom 13.Mai 1981 überlebt zu haben; denn an einem 13 Mai war Maria den Seherkindern zum ersten Mal erschienen.

Nach seiner Genesung ließ er das Geschoss vergolden und brachte es zum Dank an die MutterGottes nach Fátima. Dort wurde es in die Krone der Statue eingesetzt.

An jenem Abend fand für ihn in portugiesischer Sprache eine Gedenkandacht statt. Zum Abschluss zeigte der Bischof, der die Feier leitete, den Pilgern ein Kästchen, dem er einen Rosenkranz entnahm. Mit diesem hatte Johannes Paul II. bei dem Besuch in Fátima gebetet. und ihn dem Wallfahrtsort überlassen.

Der Bischof hielt dann ein weißes Tuch hoch, auf dem der Rosenkranz gelegen hatte. Er wandte sich damit dem Papstporträt zu und winkte verhalten zum Abschied. Offenbar hatte er vorher die Anwesenden zum Mitmachen aufgefordert, denn auch die Pilger folgten mit eigenen Tüchern seinem Beispiel.

Das anschließenden Rosenkranzgebet wurde in verschiedenen Sprachen gebetet ; und auch der sprachgewandter Papst mag mit Freude daran teilgenommen haben.

5. Nachtgedanken

In ihrem Hotelzimmer versucht Anna, sich von den Erinnerungen zu lösen. Ja, auch sie hat gewinkt, aber es ist ihr schwergefallen. Warum nur denkt sie immer noch an diese Abschiede? Sie weiß doch, dass nur der sichtbare Teil ihres Papstes gestorben ist.

Zu dem unsichtbaren Papst hat sie manchmal eineVerbindung empfunden. Als sie zu Hause das Trauerbändchen an seinem Foto durch eine rote Stoffrose ersetzte, brachte sie in seiner Nähe ein Marienbild an.

Es war ein Zeitungsausschnitt mit dem Wunderbild der Maria von Guadalupe, dessen# Entstehungsgeschichte Anna seit langem fasziniert.

Irgendwann erfuhr sie, dass Guadalupe in Mexiko der erste ausländische Mariewallfahrtsort war, den Johannes Paul als Papst besucht hatte; und sie freute sich über die Gemeinsamkeit.

Sie hat eine Weile Polnisch gelernt und um die Sprachmelodie kennenzulernen, überlegte sie sich einen Satz, der ihre Intention erkennen ließ : Ich lerne Polnisch, weil der Papst ein Pole ist. Ein ihr bekannter polnischer Musiker aus Bad Salzdetfurth hatte ihn übersetzt.

Er war ein Anhänger des Papstes und einer der wenigen, mit denen Anna auch über die MutterGottes sprechen konnte. Leider konnte sie nicht an der vorgesehenen Wallfahrt nach Tschenstochau teilnehmen und gab den Sprachkurs auf.

Einige Zeit später, nachdem sie sich für die Fátima-Pilgerfahrt angemeldet hatte, nahm sie in Hildesheim bei einer netten Brasilianerin Unterricht in Portugiesisch.

Sie gewann dabei eine erste Beziehung zu Fátima, und sie freute sich sehr auf die bevorstehende Reise.

In dieser Nacht in Rom lassen Anna die Gedanken an Fátima nicht los, bringen sie wieder vor das Gnadenbild. Dort bittet sie Maria um Beistand für die kommenden Tage in Rom.

Sie beginnt das Rosenkranzgebet; die Anspannung lässt nach. Sie schläft ein, noch bevor das zweite Gesätz beendet ist.









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II Vatikanstadt, Sonntag, 25. März 2007

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1.Kälte

Kälte, Frieren - der erste Schlaf war bald beendet; es folgte eine ruhelose Nacht.

Am Sonntagmorgen überlegt Anna bereits, wie viele Tage es noch bis zur Rückreise sind. Immerhin verspricht man ihr an der Rezeption eine zweite Wolldecke.

Sie hat nicht genügend warme Kleidung eingepackt, ist froh, wenigstens noch im letzten Moment zu Hause ihren Steppmantel mit der Kapuze vom Garderobenbügel gezogen zu haben, weil es in Hildesheim nieselte. Als sich jetzt die Gruppe nach dem Frühstück auf dem Weg zur Kirche im Campo Santo Teutonico befindet, hält er die Morgenkälte ab und Anna ist wieder zuversichtlich.

2.Der Sturz auf der Treppe

Der Fußweg den Hügel hinab neben der Via Aurelia geht an seinem Ende in eine lange Steintreppe über, die mehrfach von ebenen Stellen unterbrochen wird. Anna bemüht sich, ihre Unkonzentriertheit zu beherrschen, passt beim Hinabgehen besonders gut auf.

Zu der Gruppe gehört ein Junge von etwa elf Jahren, der sich hin und wieder munter und wissbegierig mit Anna unterhält. Als sie den ersten Treppenabsatz erreicht, ist der Junge bereits einmal unten gewesen und kommt ihr außer Atem und strahlend vor Freude entgegen.

"Ja, das macht dir wohl Spaß!" ruft sie ihm zu. Kaum hat sie es ausgesprochen, dreht er um und läuft betont schnell wieder nach unten.

Entsetzt begreift Anna, dass sie ihn indirekt angespornt hat.

Liebe Engel, helft, dass er nicht stürzt! Lasst mich das nicht auf mich nehmen!

Erleichtert sieht sie, wie der Junge unten ankommt.In diesem Moment stürzt sie selbst.

Mit den Händen kann sie sich abstützen, belastet deshalb nur ein Knie. Eine Mitpilgerin hilft beim Aufstehen und Anna bewältigt die weiteren Stufen allein.

Sie wird wohl ausgerutscht sein; in der Nacht hat es geregnet. Anna reibt den Schmutz vom hellen Mantel, geht mit den anderen weiter. Das innere Zittern lässt erst nach, als sie in der Kirche zur Ruhe gekommen ist. Sie weiß, dass es nicht nur der Sturz ausgelöst hat.

3. Heilige Faustyna

Nach der Messfeier gibt es eine Pause bis zum Angelusgebet um 12 Uhr. Als Anna am Ausgang des Santo Campo Teutonico steht, entscheidet sie sich, nicht über den Petersplatz Richtung Centro zu gehen, sondern hier in dem Bereich der kleinen Seitenstraßen zu bleiben.

Der Sturz, die schlaflosen Stunden, die Grippesymptome nehmen ihr den gewohnten Schwung. Sie bleibt auch lieber in der Nähe der großen Piazza, um mittags rechtzeitig wieder dort zu sein.

An einer Straßenecke wird in einem Schaufenster für Mosaici geworben. Annas Interesse an dieser Bildtechnik ist vor der Romreise aufgelebt und sie hat Textmaterial über Mosaiken zusammengestellt. Nur jetzt fühlt sie sich zu erschöpft für gezieltes Schauen und ein eventuelles Gespräch in Italienisch. Sie merkt sich den Laden, will später dorthin gehen.

Den kurzen Stopp nutzt sie als Wegweisung und biegt in diese kleine Straße ein. Unerwartet gibt es kurz darauf eine farbige Blick-Attraktion auf der geschwungenen Giebelseite einer Barockkirche: Auf hellem Farbgrund ist die Heilige Faustyna in ihrer schwarzen Ordenstracht abgebildet. Über ihr, schwebend, der Barmherzige Jesus ihrer Vision, erkennbar an den beiden leuchtenden Strahlenbündeln, die aus seiner Herzseite herausfallen.

Anna bleibt stehen. Aus der Entfernung lässt sich das Wandbild gut betrachten. Die Darstellung ist ihr bekannt, doch noch nie sah sie von beiden gemeinsam ein so großes Bild.

Sie kennt Abbildungen der Schwester Faustyna seit der Heiligsprechung im Heiligen Jahr 2000 durch Papst Johannes Paul II. Da Faustyna ebenso wie er aus Polen stammte, war sie für Anna eine neue Verbindung zu ihm.

Anna geht weiter, schaut auf das Bild, während in ihrer Erinnerung die Begegnung mit einer Kirchenbesucherin in dem deutschen Marienwallfahrtsort Kevelaer entsteht.



Rückerinnerung

Kevelaer, Sonntag, 22. Januar 2006


Nach einer Heiligen Messe in der Basilika hat sie die aufgeschlossene Frau kennengelernt.. Es entwickelte sich ein langes Gespräch, und sie selbst erklärte dabei ausführlich ihr Wallfahrtsvorhaben. Auf einmal erwähnte ihre Gesprächspartnerin die Schwester Faustyna, erzählte von deren Vision des Barmherzigen Jesu und ging langsam zum Altarbereich.

Dort saßen Beterinnen entlang der Wand hinter dem Altar. Überraschend befand sich hier ein plakatgroßes Papierbild des Barmherzigen Jesu.

Eine Weile sind sie beide dort geblieben und haben ebenfalls an dem Gebet teilgenommen.

Beim Abschied schenkte ihr die Begleiterin eine Plastikkarte mit dem Foto der Heiligen Faustyna. Die Karte enthielt auch eine Vertiefung, in der sich ein winziges Stück Stoff aus der Kleidung der Heiligen befand. Eine kleine Kostbarkeit; ein Reliquiar, das an den weiteren Tagen mmer in ihrer Brieftasche blieb, auch an dem Tag, als ihr persönliches Wallfahrtsereignis stattfand..

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4.Zwiespalt

Anna steht jetzt auf dem kleinen Platz vor der Kirche. Sie zögert. Soll sie hineingehen? Besser ist es vielleicht an einem der nächsten Tage. Sie will noch ein Speiselokal suchen. Das Frühstück war sehr dürftig heute Morgen. Wenn sie die Reise überstehen will, muss sie sich unbedingt ausreichend ernähren. Doch die Zeit bis zum Angelusgebet ist begrenzt, und danach wird das touristische Programm fortgesetzt.

Sie sieht sich um. Die Kirche steht dicht an einer Kreuzung. Die vier schmalen Straßen sind schnell zu überblicken. Hier gibt es keine Geschäfte oder eine Gaststätte. In der Nähe hat sie also kein Glück. Die Straße rechts wird an ihrem Ende von einer Brücke überspannt. Bis dahin will sie gehen und dahinter ihre Suche fortsetzen.

Kurz wirft sie noch einen Blick auf die Kirchentür, die sich über einer kleinen Treppe befindet.

Auf einem Querbalken stehen einige Wörter. Anna ist interessiert, geht ein paar Schritte auf die Treppe zu. Der Kirchenname! Es fehlt der Schlussbuchstabe, aber er ist klar verständlich:

'Chiesa del Santo Spirito'.

Der Name erzeugt ein seltsames Schwingen in ihr, wirkt wie ein Signal. Sie kann nicht vorbeigehen an dieser Kirche. Schon ist sie oben auf der Treppe angelangt, drückt eine Türklinke herunter und betritt die 'Kirche des Heiligen Geistes '.

5.Wunscherfüllung

Noch von der Sonne geblendet, gelingt ihr nicht sofort nach dem Eintreten ein Überblick. Sie bleibt stehen, wird im linken Gang auf ein starkes Licht aufmerksam. Sie erkennt eine Statue, geht erwartungsvoll darauf zu. Noch einige Schritte, da verwirklicht sich ihre Hoffnung: Hell beleuchtet steht in einer offenen, erhöht liegenden Seitenkapelle eine Marienfigur. Anna jubelt lautlos: Wunscherfüllung, Zu-Falls-Glück.

Die Statue steht quer auf dem rechten Eckplatz , ist dadurch den Besuchern zugewandt.

Annas Blick gleitet über die Rückwand des kleinen Kapellenraums, verharrt kurz bei einem dunklen Tafelbild mit einer Passionsszene, bewegt sich weiter nach links und schaut mitten hinein in ein lächelndes Gesicht: Johannes Paul II. grüßt von einem farbigen Gemälde, das der Statue gegenüber und ebenfalls übereck aufgestellt ist.Das Brustbild zeigt ihn gesund und kräftig; kein Trauerband trübt Annas große Freude. Er wirkt wie auferstanden.

Giovanni Paolo vive!

Es gibt vor der Rampe einen Kerzenständer mit echten Kerzen und Flammen, keine elektrischen, wie oft in den Kirchen der Cittá. Anna zündet zwei Kerzen an, blickt zur Marienfigur hinüber, kniet in der kleinen Betbank die hier steht, richtet ihre Haltung auf die Statue aus. Zum ersten Mal bemerkt sie bewusst deren ungewöhnlichen Standort in einer Vitrine. Ihr fällt der weiße Rosenkranz auf, der optisch fast im Weiß des Gewandes verschwindet. Sie betrachtet das Krönchen, das die Figur trägt: Die MutterGottes wird als Regina dargestellt. Lieber Gott, es ist Die Fátima!

Gestern durch die Erinnerung so nah und vertraut. Heute vom Herzen zum Kopf gebracht..

Spätes Erkennen. Verwunschener Augenblick.

.Ein Platz für Die Fátima! In der Vatikanstadt! Ein neues Pilgerziel zu Maria!

Großartig und wunder-bar.

Letztlich ist Papst Johannes Paul II. der Urheber. Allein ihm zu Ehren und um seinen Wunsch - ausgesprochenodernicht - zu erfüllen, wurde der Andachtsplatz geschaffen. Anna dankt denen, die sie unsichtbar hierher geführt haben.

Nicht viele Wallfahrtsplaner scheinen diese Kirchenkapelle zu kennen.; sonst hätte wohl jemand aus der Hildesheimer Reiseleitung sie erwähnt. Die neue Verehrungsstätte könnte bei Reisen nach Rom als freies Pilgerziel angeboten werden. Falls nicht alles wieder abgebaut wird, wenn die Trauerzeit für Papst Johannes Paul beendet ist: Die Stäte müsste bekannt gemacht werden, um das zu v erhindern.

Maria will es.

Ein bewegender Gedanke. Das Fátima-Projekt braucht Unterstützung. Anna fühlt sich aufgefordert. Sie wird darüber nachdenken .Nicht hier, aber zuhause in Hildesheim. Mit größerer

Energie und einer hoffentlich wirksamen Idee. Als sie dabei an den Santo Spirito denkt, dessen Namen diese Kirche trägt, bereitet sie sich auf ihre Andacht vor.

Sie schaut weiter auf das Gnadenbild, konzentriert sich innerlich auf die MutterGottes.

Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes.

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III Vatikanstadt, Samstag, 31.März 2007

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1.Warten auf die Abreise

Am Rückreisetag trennen sich die Gruppen wegen unterschiedlicher Flugzeiten und Ziele.

Aus der Hotelgruppe haben außer Anna nur sechs Paare Hamburg zum Ziel.

Sie warten auf den Bus nach Fiumicino, um sich dort auf dem Flughafen den Pilgern anzuschließen, mit denen sie vor acht Tagen in Hildesheim gestartet sind.

Es ist noch viel Zeit bis zum frühen Nachmittag.Anna verlässt das Hotel und erkundet einige nahe gelegene Straßen.

Es ist wie immer morgens kühl in Rom; sie trägt ihren roten Strickmantel. Hier ohne Hektik entlangzugehen, ist erholsam und wirkt beruhigend. In den vergangenen Tagen war sie oft durch das zügige Gehen nass geschwitzt, konnte wegen des Reiseprogramms nicht ins Hotel zurückkehren, um die Kleidung zu wechseln.

Sie sieht einen Briefkasten, wirft die letzten Ansichtskarten ein, kauft als zusätzliche Mitbringsel ein paar Süßigkeiten mit dem Aufdruck Roma , kehrt wieder um. Vor dem Hoteleingang sonnen sich zwei wartende Paare. Auch Anna besorgt sich einen Stuhl, setzt sich zu ihnen in die Sonne.

In memoriam

Auf dieser Reise wurde die alte Bußbotschaft der MutterGottes erneut zu einer hilfreichen Lebensregel. Der Sturz vom Sonntag scheint wie ein Omen gewesen zu sein für ein inneres schmerzliches Ereignis, das den Tag, an dem es geschah, zu einem Schicksalstag machte. Hochgefühl stürzte ab in tiefe Betroffenheit. Sie versucht jetzt jene Momente auszuklammern, die sich aber nur schwer beiseite schieben lassen. Immerhin werden die Schmerzen im Knie vielleicht bald nicht mehr zu spüren sein...

Vergessen wird sie wohl auch die Gruppendifferenzen, die es zahlreich gab. Sie sind offenbar nur ein Problem geworden, weil sich ihre gesundheitliche Verfassung weiter verschlechtert hat und ihre innere Energie abnahm. Mitpilgerinnen und Mitpilger, die ihr zur Seite gestanden haben, erscheinen ihr jetzt wie vom Himmel geschickt.

Die Entdeckung der Fátima-Andachtsstätte war wie Zauber und Wunder zugleich.

Wie lange mag sie dort gekniet haben? Sie hat nicht bemerkt, dass sich hinter ihr die Kirche füllte. Erst als einige Orgeltöne erklangen und sie sich umdrehte, sah sie die vielen Kirchenbesucher. Die Sonntagsmesse schien eben anzufangen, und benommen hat sie eilig die Kirche verlassen.

2. Karol -Wojtyla

Anna wird es heiß bei ihrem Sonnenbad. Sie cremt sich ein, unterhält sich eine Weile mit einem Ehepaar, das eben von einem Spaziergang zurückkommt. Auch die beiden setzen sich in die Sonne. Es ist noch viel Zeit bis zum Aufbruch. Anna rückt den Stuhl ein wenig in den Schatten, nimmt Platz, schließt wieder die Augen.

Marias Botschaft in Fátima beschäftigt weiter ihre Gedanken. Beispielhaft ist Johannes Paul der Aufforderung zur Buße gefolgt. Bis zum Schluss seines Lebens hat Karol Wojtyla dem GottesSohn und der MutterGottes in Liebe gedient, zuletzt mit körperlichem und gewiss oft auch seelischem Leiden.

Bei der Totenmesse haben die Menschen in Rom spontan seine Heiligsprechung gefordert, als sie skandierten: " Santo subito!" Sofort! haben sie zwar gerufen; aber die Verwirklichung ist ausgeblieben.

Allerdings las Anna vor kurzem, sein Seligsprechungs-Prozess werde am zweiten Todestag des Papstes eingeleitet. Also in diesem Jahr - am 2.April.

Das ist übermorgen!

Anna öffnet die Augen, richtet sich auf.

Der Prozess geht stets einer Heiligsprechung voraus, die auch sie sich für den Papst wünscht.

Am liebsten wäre ihr, Giovanni Paolo II. würde schon heute heiliggesprochen..Jetzt!

Sie schaut sich um, lächelt, als sie sich vorstellt, sie spräche es laut aus - hier auf der Eingangsterrasse eines katholischen Schwesternhauses der Vatikanstadt?

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"Santo! Adesso!"